Pfizer vs. Altria: Welcher Dividendentitel überzeugt wirklich?

Analyse vom 16.06.2026

Beide zahlen rund 6 % Dividende, beide haben jahrelang zuverlässig ausgezahlt. Auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden — auf den zweiten Blick fundamental verschieden.

Wer nach stabilen Dividendenzahlern sucht, landet früher oder später bei Pfizer (PFE) und Altria (MO). Ähnliche Rendite, ähnliche Größe, beide in den USA beheimatet. Doch hinter dieser Oberfläche stecken zwei völlig unterschiedliche Investitionsthesen — mit einem überraschenden, aber nicht risikofreien Sieger.

Die Zahlen im Vergleich

Kennzahl PFE — Pfizer MO — Altria
Dividendenrendite 6,7 % 5,9 %
Kurs-Gewinn-Verhältnisauf Basis der letzten 12 Monate 20,0x durch Gewinneinbruch verzerrt 15,0x hist. Schnitt: 7–10x
Kurs-Gewinn-Verhältnisauf Basis des erwarteten Gewinns 2025 ~8,7x ~12,7x
Verwässerter Gewinn je Aktieletzte 12 Monate 1,31 $ 4,79 $
Verwässerter Gewinn je AktieSchätzung 2025 2,96 $ 5,68 $
AusschüttungsquoteAnteil des Gewinns, der als Dividende ausgezahlt wird 68,5 % ✓ 74,6 % ↑
Freier Cashflow im Verhältnis zum Aktienkurs 6,1 % 7,6 %
Eigenkapitalanteil am Gesamtvermögen 41,5 % −10,0 %

Altria: 60 Dividendenerhöhungen — aber zu welchem Preis?

Altria hat seine Dividende seit 1965 jedes Jahr erhöht — das sind 60 aufeinanderfolgende Erhöhungen und eine der längsten Serien dieser Art weltweit. Die Dividende wuchs von 3,38 $ (2020) auf heute 4,24 $ je Aktie, ohne eine einzige Unterbrechung. Der freie Cashflow liegt bei 7,6 % des Aktienkurses, die operative Marge bei beeindruckenden 62 %.

Das negative Eigenkapital von −10 % klingt zunächst besorgniserregend — ist aber kein Zeichen für operative Schwäche. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen, die das bilanzielle Eigenkapital aufgezehrt haben. Die Gesamtkapitalrendite von 27,6 % zeigt, dass das Geschäft weiterhin hochprofitabel arbeitet.

Die größere Herausforderung ist die Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten 12 Monate von 15,0x liegt Altria deutlich über seinem historischen Schnitt von 7–10x. Selbst auf Basis des für 2025 geschätzten verwässerten Gewinns von 5,68 $ ergibt sich ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,7x — immer noch erhöht. Gleichzeitig schrumpft der Umsatz strukturell um rund 6 % über fünf Jahre, weil der Tabakmarkt in den westlichen Ländern langfristig zurückgeht.

Pfizer: Günstig bewertet — aber das Risiko ist real

Pfizers Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten 12 Monate beträgt 20 — und wirkt damit teurer als Altria. Der Grund ist ein verzerrter Ausgangspunkt: Der verwässerte Gewinn je Aktie der letzten 12 Monate liegt bei nur 1,31 $, weil die Gewinne nach dem außergewöhnlichen COVID-Boom 2022 eingebrochen sind. Auf Basis des für 2025 geschätzten verwässerten Gewinns von 2,96 $ je Aktie ergibt sich ein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur ~9 — das liegt unter dem historischen Durchschnitt und deutlich unter Altria auf gleicher Basis. Der Bewertungsabschlag basiert allerdings wesentlich auf den aktuellen Gewinnerwartungen. Sollten Pipeline und neue Produkte die auslaufenden Patentumsätze nicht ausreichend kompensieren, könnte sich dieser Abschlag als gerechtfertigt erweisen.

Entscheidend: Pfizer hat die Dividende auch im schwachen Jahr 2023 nicht gekürzt, obwohl der verwässerte Gewinn je Aktie (1,58 $) die Dividende (1,64 $) rechnerisch nicht vollständig deckte. Die Ausschüttungsquote liegt auf Basis der 2025er-Gewinnschätzung bei 68,5 % und damit wieder in einem Bereich, der für große Pharmakonzerne grundsätzlich tragfähig erscheint.

Das Patent-Cliff-Problem — kein Kleingedrucktes: Pfizers wichtigste Medikamente verlieren in den kommenden Jahren ihren Patentschutz. Das Gerinnungsmittel Eliquis verliert die EU-Exklusivität bereits im Mai 2026, die US-Exklusivität 2028. Das Krebsmedikament Ibrance folgt voraussichtlich 2027. Insgesamt erwartet Pfizer einen möglichen Umsatzverlust von 17–18 Mrd. USD bis 2028 — rund 28 % des heutigen Jahresumsatzes. Pfizer investiert zwar mehr als 40 % seines Forschungsbudgets in neue Krebstherapien, aber klinische Studien scheitern regelmäßig, und neue Zulassungen brauchen Zeit. Das günstige erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,7x ist also kein Selbstläufer — es setzt voraus, dass die Pipeline liefert.
Kernaussage: Altria bleibt das richtige Instrument für Anleger, die in erster Linie auf einen planbaren Einkommensstrom setzen. Pfizer ist für alle interessant, die ein günstig bewertetes Unternehmen in einer Erholungsphase begleiten möchten — und dabei das Risiko rund um auslaufende Patente bewusst einkalkulieren.

Fazit: Tratabu-Scores

Auf Basis der fünf gewichteten Dimensionen (Dividendenqualität 30 %, Profitabilität 25 %, Bewertung 20 %, Bilanzstärke 15 %, Geschäftsmodell 10 %) ergibt sich folgendes Bild:

PFE · Pfizer
6,9
von 10 · Selektiv aufbauen
MO · Altria
5,8
von 10 · Beobachten

Altria bleibt das richtige Instrument für Anleger, die in erster Linie auf Einkommensstabilität setzen und Kursschwankungen vermeiden wollen. Pfizer ist für alle interessant, die ein günstig bewertetes Unternehmen in einer Erholungsphase begleiten möchten — und dabei das Risiko rund um auslaufende Patente bewusst einkalkulieren.

Keine Anlageberatung. Alle Schätzwerte sind Prognosen und können von der tatsächlichen Entwicklung abweichen.

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