freenet vs. Deutsche Telekom: 8 % Dividende gegen Wachstum – wer gewinnt?

Analyse vom 24.06.2026

Zwei deutsche Telekom-Werte, beide an der XETRA, beide aus demselben Sektor. Auf den ersten Blick ist die Sache klar: freenet zahlt mehr als die doppelte Dividendenrendite. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass beide fast gegensätzliche Geschäftsmodelle haben – und dass die hohe Rendite ihren Preis hat.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • freenet ist die günstigere Aktie mit der höheren Rendite (8,3 %) und einer soliden Bilanz – zahlt aber fast den gesamten Gewinn aus und wächst im Kerngeschäft kaum.
  • Deutsche Telekom bietet die sicherere, wachsende Dividende und einen Wachstumsmotor in den USA – ist dafür teurer bewertet und hoch verschuldet.
  • Beide Methoden (eigene Bewertung und Tratabu-KI) sehen freenet knapp vorn – getragen von Bewertung und Bilanz, nicht von der Dividendensicherheit.

 

Vergleich auf einen Blick

Stand: 22.06.2026; Kurse aus dem Web, Juni 2026

Kennzahlfreenet (FNTN)Deutsche Telekom (DTE)
Kurs (ca.)~25 €~27,5 €
Marktwert~3,0 Mrd. €~129 Mrd. €
Dividendenrendite8,3 %3,8 %
Dividende je Aktie2,07 €1,00 €
Ausschüttungsquote93 %49 %
Verwässerter Gewinn je Aktie, letzte 12 Monate2,20 €1,81 €
Erw. verwässerter Gewinn je Aktie 2026 (Schätzung)2,34 €2,01 €
Erw. verwässerter Gewinn je Aktie 2027 (Schätzung)2,47 €2,49 €
Aktuelles KGV (letzte 12 Monate)11,4x~14,7–15x
Erwartetes KGV (Schätzung 2026)~10,7x~13,7x
Erwartetes KGV (Schätzung 2027)~10,1x~11,0x
Verhältnis Schulden zu Eigenkapital0,542,27
Eigenkapitalquote (Trend)~42 %~20 %
Freier Cashflow im Verhältnis zum Kurs~12 %~22 % *
Unternehmenswert / operativer Gewinn (EV/EBITDA)5,8x5,3x
Tratabu Ki-Score6,35,9
* Die für die Telekom hinterlegte Cashflow-Rendite von ~22 % wirkt hoch (sie dürfte den voll konsolidierten US-Cashflow von T-Mobile enthalten) und ist im Detail zu prüfen. Verlässlich ist die Richtung: Der freie Cashflow der Telekom ist zuletzt deutlich gestiegen.

 

Kurz erklärt: die wichtigsten Begriffe

  • Aktuelles KGV (letzte 12 Monate): Kurs geteilt durch den verwässerten Gewinn je Aktie der vergangenen vier Quartale – also das, was man heute pro Euro Gewinn bezahlt.
  • Erwartetes KGV: dasselbe, aber mit dem geschätzten Gewinn eines künftigen Jahres. Es beruht auf Schätzungen und ist daher unsicherer.
  • Ausschüttungsquote: Anteil des Gewinns, der als Dividende ausgezahlt wird. Über ~70 % gilt als wenig Puffer.
  • Verwässerter Gewinn je Aktie: Gewinn pro Aktie, wenn man alle potenziellen zusätzlichen Aktien mitrechnet – die vorsichtigere Variante.

 

freenet – die kapitalleichte Dividendenmaschine mit wenig Wachstum

freenet betreibt kein eigenes Mobilfunknetz, sondern mietet sich als Netz-Mieter (Fachbegriff: MVNO) bei Telekom, Vodafone und O2 ein. Das spart enorme Investitionen – sichtbar an der niedrigen Investitionsquote (Investitionen nur rund 30 % der Abschreibungen) und der hohen Eigenkapitalquote von etwa 42 %. So entsteht verlässlich freier Cashflow, der die Dividende trägt.

Stärken

  • Günstig bewertet: aktuelles KGV (letzte 12 Monate) 11,4x, erwartetes KGV (Schätzung 2026) rund 10,7x.
  • Solide Bilanz: wenig Schulden (Verhältnis Schulden zu Eigenkapital 0,54).
  • Wachstumsanker waipu.tv: rund 40 % Marktanteil bei offenen IPTV-Anbietern; das Segment soll bis 2028 mindestens 120 Mio. € operativen Gewinn (EBITDA) beisteuern.
  • Mindestdividende zugesagt: Für 2026–2028 sind mindestens 2,00 € je Aktie vorgesehen (oder 80 % des bereinigten freien Cashflows, je nachdem, welcher Wert höher ist).

Schwächen

  • Ausschüttungsquote 93 % – fast der gesamte Gewinn fließt in die Dividende, kaum Puffer für Rückschläge.
  • Kerngeschäft Mobilfunk stagniert (Umsatz über fünf Jahre leicht rückläufig); das Wachstum hängt stark an waipu.tv.
  • Abhängigkeit von den Netzbetreibern, deren Großhandelspreise freenet nicht selbst steuert.

 

Deutsche Telekom – wachsende Dividende und US-Motor, aber hohe Schulden

Der Werttreiber der Telekom ist die Mehrheitsbeteiligung an T-Mobile US (über 140 Mio. Kunden, Nummer zwei im US-Mobilfunk). Das US-Wachstum finanziert eine seit Jahren steigende Dividende – von 0,60 € (2020/21) auf 1,00 € für das Geschäftsjahr 2025. Das Management priorisiert ausdrücklich den Schuldenabbau und will die Verschuldung im Zielbereich vom 2,25- bis 2,75-fachen des operativen Gewinns halten.

Stärken

  • Niedrige Ausschüttungsquote (49 %) – viel Spielraum, die Dividende weiter zu erhöhen.
  • Stark steigender freier Cashflow und kräftiges Dividendenwachstum (0,60 € → 1,00 €).
  • Wachstumsmotor T-Mobile US als struktureller Treiber jenseits des reifen Europageschäfts.

Schwächen

  • Hohe Verschuldung: Verhältnis Schulden zu Eigenkapital 2,27, dünne Eigenkapitalquote (~20 %), absolut rund 130 Mrd. € – zinssensibel.
  • Niedrigere laufende Rendite (3,8 %) – wer Ausschüttung heute sucht, bekommt bei freenet mehr als das Doppelte.
  • Teurer bewertet: aktuelles KGV (letzte 12 Monate) ~15x gegenüber 11,4x bei freenet.

⚠️ Risikokasten

  • freenet – Dividende ist nicht krisenfest: 2020 wurde die Dividende von 1,65 € auf 0,04 € zusammengestrichen (Corona). Sie wurde ab 2021 wieder aufgebaut und steigt seit sechs Jahren – aber das Beispiel zeigt, dass die hohe Ausschüttungsquote in einer Krise wenig Schutz bietet.
  • Deutsche Telekom – auch hier kein Tabu: 2020 wurde von 0,70 € auf 0,60 € gekürzt, allerdings deutlich milder. Hauptrisiko ist die hohe Verschuldung in Kombination mit US-Wettbewerb und Währungseffekten.
  • Hinweis zu den Gewinnzahlen: Beide Werte zeigen in den Daten extreme Gewinnrückgänge gegenüber dem Vorjahr (freenet −83 %, Telekom −73 %). Das geht auf Sondereffekte im jeweiligen Vorjahr zurück (bei freenet hohe Buchgewinne 2020) und ist kein Zeichen eines einbrechenden operativen Geschäfts. Deshalb hier auf die Gewinnniveaus und die geglätteten Schätzungen schauen, nicht auf die Veränderungsrate.

 

Bewertung nach den 5 Tratabu-Dimensionen

Dimension (Gewicht)freenetDeutsche Telekom
1. Dividendenqualität (30 %)6 – Toprendite, aber 93 % Quote + 2020-Schnitt (Malus)7 – niedrigere Rendite, dafür sicher & wachsend
2. Profitabilität & Qualität (25 %)7 – kapitalleicht, stabiler Cashflow, kaum Wachstum7,5 – steigender Cashflow, kapitalintensiv
3. Bewertung (20 %)7,5 – klar günstiger6 – teurer, aber vertretbar
4. Bilanzstärke (15 %)8 – wenig Schulden4 – hoch verschuldet
5. Geschäftsmodell & Risiko (10 %)6 – Netzabhängigkeit, waipu.tv-Anker7 – US-Wachstum, Schuldenlast
Gewichteter Gesamtscore~6,8~6,5

🎯 freenet ist die günstigere Aktie mit der höheren, aber voll ausgereizten Dividende und solider Bilanz; die Deutsche Telekom ist die teurere Aktie mit der sichereren, wachsenden Dividende – bezahlt mit deutlich höherer Verschuldung. Wer laufendes Einkommen heute maximieren will, schaut auf freenet; wer auf wachsende Ausschüttung und einen Wachstumsmotor setzt und mit hoher Verschuldung leben kann, auf die Telekom.

Was wäre, wenn? – Kursfantasie mit Vorsicht

Eine Neubewertung könnte bei freenet eintreten, falls waipu.tv den geplanten Gewinnbeitrag liefert; das niedrige aktuelle KGV von 11,4x ließe dann Spielraum nach oben. Bei der Telekom könnte ein fortgesetzter Schuldenabbau die Bewertung stützen. Analystenkursziele (rund 38–39 € für die Telekom) deuten zwar Potenzial an, sind hier aber ausdrücklich nur als Meinung zu verstehen und fließen nicht in die Bewertung ein.

Quellen

Disclaimer: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Alle Angaben ohne Gewähr. Kennzahlen stammen aus der Tratabu-Datenbank zum Crawl-Zeitpunkt; aktuelle Marktdaten können abweichen.

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.